Primitive Reflexe / frühkindliche Reflexe

Frühkindliche Reflexe:

Diese helfen dem Kind während der Schwangerschaft, der Geburt und in den ersten Lebensmonaten/-jahren, dass die Hirnreifung stattfindet und aus unwillkürlichen Bewegungen automatisierte, willkürliche Bewegungen werden können. Hierdurch werden Grobmotorik, Feinmotorik, die Hörverarbeitung, Sehverarbeitung und das taktile System so miteinander verschaltet, dass die Intelligenz des Kindes für hochcortikale Verarbeitungen wie z.B. Lesen, Schreiben und Rechnen, zur Verfügung steht.
Frühkindliche Reflexe sind der MORO-Reflex, der STNR und ATNR.

MORO-Reflex:

Wird auch Klammerreflex genannt.

Er wurde nach dem Arzt Ernst Moro benannt, der den Reflex 1918 erstmalig beschrieb.

Der Moro-Reflex ermöglicht mit dem ersten Schrei nach der Geburt den ersten Atemzug und die Öffnung der Luftwege.

Der Reflex bildet sich in dem ersten Schwangerschaftsdrittel aus. Während der Schwangerschaft trägt er zur Entwicklung des kindlichen Atemmechanismus bei und verliert sich ab dem 3./4. Lebensmonat durch das Ausreifen des Nervensystems. Danach sollte der Moro-Reflex durch eine reife Schreckreaktion abgelöst werden, z.B. Hochziehen der Schultern, Kopfdrehung zur Störquelle und dann bewußtes  Entscheiden, was zu tun ist.

Er ist durch alle Wahrnehmungssysteme (auditiv=hören, visuell=sehen, taktil=fühlen und vestibulär=Gleichgewicht) auslösbar und führt zu einer Öffnung von Armen und Beinen, gleichzeitig atmet das Kind ein. Danach erfolgt lautes Geschrei und Arme und Beine schließen sich wie zu einer Umarmung. Es kommt zu einer Ausschüttung von Stresshormonen, Absinken des Blutzuckerspiegels und Absinken der Körpertemperatur. Herzfrequenz und Atemfrequenz steigen an. Der Körper macht sich bereit für Flucht und Kampf.

Ein nicht ausgereifter Moro-Reflex kann zu folgenden Problemen führen:

  • Ängstlichkeit, die Umwelt, fremde Personen und neue Situationen werden als Bedrohung Wahr genommen
  • permanente Wachsamkeit (immer in Hab-Acht-Stellung)
  • überempfindliches Gehör
  • Ablenkbarkeit und schlechte Konzentration
  • unangemessene Gefühlsausbrüche, es kämpft und wird aggressiv
  • Flucht, das Kind fängt an zu weinen
  • große Erschöpfung und mangelnde Ausdauer
  • beharren auf bekannten Abläufen, mögen nichts Neues
  • körperlich kann es zu Schlafstörungen, Verdauungsproblemen, Reiseübelkeit und Bluthochdruck bei Erwachsenen führen
Asymmetrisch-tonischer Nackenreflex (ATNR):

Wird auch Fechterstellung genannt.

Dreht das Baby den Kopf zur Seite, so sind Arm und das Bein dieser Seite gestreckt, auf der kopfabgewandten Seite erfolgt eine Beugung der Gliedmaßen.

Er entsteht im ersten Schwangerschaftsdrittel und sollte im neunten Lebensmonat gehemmt sein.

Der ATNR fördert die motorische Entwicklung des Kindes und begünstigt den Aufbau der Muskelkraft.

Seine Hauptaufgabe ist es, den Muskeltonus des Körpers durch die Kopfhaltung zu beeinflussen.

Erfolgt keine Hemmung, so kann die normgerechte motorische Entwicklung gestört werden.

Der ATNR unterstützt sehr wirksam gemeinsam mit anderen Reflexen den Geburtsvorgang und schwächt sich nach der Geburt schrittweise ab.

Erst wenn der ATNR gehemmt ist, kann das Kind seine Hände ohne Mühe zur Körpermitte und darüber hinaus führen. Auch die Augen können sich erst nach Hemmung des ATNR unabhängig von der Kopfbewegung bewegen. Das heißt z.B. ein Kind kann erst dann einen Gegenstand fixieren, wenn es in Bewegung ist.

Der ATNR beeinflusst die Augen-Kopf-Koordination, die für das Schreiben und alle feinmotorischen Tätigkeiten Voraussetzung ist.

Wird der ATNR nicht ausreichend gehemmt, kommt es zu folgenden Problemen:

  • Störung der grob- und feinmotorischen Entwicklung
  • überkreuzende Bewegungen über die Körpermittelachse nur schwer durchführbar
  • Kind dreht sich nur schwer vom Rücken auf den Bauch
  • Störung Auge-Hand-Koordination
  • merkwürdige Stifthaltung
  • schlechtes Schriftbild
  • Zeilen beim Schreiben können nicht eingehalten werden
  • Zahlen und Buchstabendreher
  • Radfahren und Schwimmen werden nur schwer erlernt
Symmetrisch-tonischer Nackenreflex (STNR):

Der STNR entsteht im sechsten bis neunten Monat nach der Geburt und wird etwa drei Monate später wieder gehemmt.
Seine Hauptaufgabe besteht darin, das Baby darauf vorzubereiten, seine Schwerkraft zu überwinden, seinen Kopf im Raum aufrecht zu halten und sich dabei vorwärts zu bewegen.

Der STNR ermöglicht es dem Baby den Bauch vom Boden weg zu bekommen, es macht Schaukelbewegungen auf Händen und Knien als Vorbereitung zur Krabbelphase.
Ist der STNR nicht ausgereift, können folgende Probleme auftreten:

  • Probleme bei der Rolle vorwärts und rückwärts
  • Entfernungen können schlecht abgeschätzt werden
  • Geschwindigkeit kann schlecht abgeschätzt werden
  • Bälle können nicht mit der richtigen Kraftdosierung geworfen werden
  • schlechte Ausdauer
  • Wutausbrüche
Such- und Saugreflex:

Der Reflex entsteht in der 24.-28. Schwangerschaftswoche und sollte bis zum vierten Schwangerschaftsmonat gehemmt sein.
Er wird ausgelöst durch Berührungen der Wangen und der Mundregion. Das Baby dreht seinen Kopf in die Richtung der Nahrungsquelle, öffnet den Mund und streckt die Zunge heraus. Darauf erfolgt eine Saug- und Schluckbewegung.
Beim Trinken an der Brust wird durch das Saugen die muskuläre Einwärtsbewegung, wie zum Beispiel beim Schielen nach innen, und die Einstellung der Augen auf kurze Distanzen stimuliert.

Ein unausgereifter Such- und Saugreflex kann zu folgenden Problemen führen:

  • Kinder essen nur sehr ausgewählte Lebensmittel
  • schlechte Aussprache verschiedener Laute
  • erhöhter Speichelfluss, vermehrtes sabbern

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